Hennickendorf - gestern, heute, morgen...

Von der Gründung bis zur ersten Blütezeit um 1920

Hennckendorp - so die ursprüngliche Bezeichnung - hat eine bewegte Vergangenheit. Funde aus der Bronzezeit belegen, dass das Gebiet um den Stienitzsee schon vor der Zeitenwende besiedelt war. Die erste urkundliche Erwähnung stammt allerdings erst aus dem Jahr 1367. Zu dieser Zeit war der Ort bereits im Besitz des Klosters Zinna. Infolge der Reformation gelangte Hennickendorf dann um 1546 in die Hände des Kurfürsten Joachim II. und wurde ein Kurfürstliches Domänedorf. Während dieser ganzen Zeit bildete die Landwirtschaft die alleinige Lebensgrundlage der Bevölkerung.

Die dynamische Entwicklung des Ortes begann rund 300 Jahre später, als Landesökonomierat A. Ph. Thaer die Domäne kaufte. Durch einen Kanalbau wurde der Stienitzsee 1858 an die Wasserstraßen und Gewässer von Berlin angebunden.

Gleichzeitig wurde der Stienitzsee um 2,5 m abgesenkt, was umfangreiche Tonvorkommen freilegte und den Abbau von Ton und Torf ermöglichte. Im Zuge dieser Maßnahme entstanden zahlreiche Ziegeleien, und Hennickendorf wuchs von einem armen Bauerndorf zu einem Industrieort.

1896 wurde eine Eisenbahnverbindung nach Strausberg eröffnet, die dem wirtschaftlichen Wachstum einen weiteren Schub verpasste. Mit der Bahn vereinfachte sich der Transport der zunehmend größeren Mengen an Ziegeln und Kalk, die für den wachsenden Moloch Berlin produziert wurden.

1907 wurde August Thyssen jun. neuer Eigentümer des Rittergutes Rüdersdorf an der Südspitze des Sees. Er errichtete Villen, Tennisplätze, Parkanlagen, eine Reitbahn und ein Bootshaus. Die Region prosperierte: Vereine, Badeanstalten und Ausflugslokale entstanden ebenso wie neue Dampferlinien, mit denen Berliner hierher "ins Jrüne" fuhren. Innerhalb kurzer Zeit wurde Hennickendorf zu einem beliebten und gut besuchten Ausflugsziel.

 

 

 

 

 


 

 

Infolge dieser Entwicklungen wuchs Hennickendorfs Einwohnerzahl rasch. Wurden 1871 noch 578 Einwohner registriert, waren es 1910 schon 1338 und im Jahre 1938 bereits 2718. Dieser Zuwachs kann vor allem auf den ständig zunehmenden Bedarf an Arbeitskräften für die Produktion von Ziegeln, Zement und Kalk zurückgeführt werden. Die steigende Anziehungskraft der Region für Besucher spielte aber ebenfalls eine wichtige Rolle.

Entwicklung von Hennickendorf nach 1945

Nach dem 2. Weltkrieg waren die Tonvorkommen von Hennickendorf erschöpft, und die Ziegelproduktion wurde eingestellt. Die Industrieanlagen wurden demontiert und gingen als Reparationsleistung an die Sowjetunion. Damit war das vorläufige Ende der sprunghaften industriellen Entwicklung des Ortes besiegelt. Gleichzeitig blieben die Besucher aus, und das Ausflugsgebiet um den Stienitzsee geriet in den nächsten Jahrzehnten zunehmend in Vergessenheit.

Der Wiederaufbau der Gemeinde begann ab 1955. Die ersten Früchte der harten Arbeit konnten 1964 geerntet werden, als am Lichtenower Weg eine neue Wohnsiedlung eingeweiht wurde. Nach der Stilllegung der Kleinbahnstrecke im Jahre 1967 zogen viele Hennickendorfer auch in eines der Einfamilienhäuser, die auf dem ehemaligen Bahngelände entstanden.
Da zu dieser Zeit viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und den Rüdersdorfer Kalkwerken geschaffen wurden, ging es mit der Region in den folgenden Jahren stetig aufwärts.

Nach dem Mauerfall wurde das Gewerbegebiet Pappelhain erschlossen, der Ortskern saniert und die Wohngebiete Herzfelder Weg und Neuburger Ring errichtet. 1999 bekam Hennickendorf ein Multikulturelles Zentrum, in dem seitdem viele kulturelle und musikalische Veranstaltungen stattfanden. Ein Jahr später wurde auch der Dampferverkehr auf dem Großen Stienitzsee wieder aufgenommen.

Hennickendorf heute

Die positiven Entwicklungen der letzten Jahre ließen Hennickendorf und das Gebiet um den Großen Stienitzsee wieder aufblühen.
Der beständige Ausbau der Infrastruktur kommt nicht nur den ca. 3300 Einwohnern des Ortes zugute, sondern auch der ständig steigenden Zahl der Besucher. So existieren heute beispielsweise Busverbindungen nach Strausberg und Erkner, die Touristen eine bequeme Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglichen.

Diese Möglichkeit wird von vielen genutzt, um die beliebten Ausflugsziele der Region wie den 28 m hohen Wachtelturm zu erreichen. Der wunderschöne Rundblick, den man von dort aufs Berliner und Brandenburger Umland hat, ist aber nur einer der vielen Anreize, die das Gebiet um den Großen Stienitzsee zu bieten hat. Neben der Landschaft und den Denkmälern aus der industriellen Vergangenheit Hennickendorfs ziehen aber auch Veranstaltungen wie die Stienitzsee-Festtage und die seit 2004 stattfindenden Stienitzsee Open Besucher an.

Hennickendorf morgen

Für die nahe Zukunft von Hennickendorf und der gesamten Region ist geplant, noch mehr Anreize für Touristen zu schaffen. So soll vor allem ein Rundwanderweg um den Stienitzsee angelegt, und die bereits vorhandenen Wege verbessert werden.

Der private längerfristige Masterplan der Stienitzsee Real Estate für das Gebiet rund um den Stienitzsee bis 2020 sieht mehrere Großprojekte vor. So soll der Dampferverkehr nach Berlin wiederbelebt werden, um den Großstadtfamilien die Fahrt „ins Jrüne“ wie vor knapp 100 Jahren zu ermöglichen. Mit der Restaurierung der historischen Gebäude rund um den Stienitzsee soll zudem ein weiteres Stück Geschichte bewahrt werden. Außerdem soll eine Wohnsiedlung direkt am Wasser gebaut werden.